Köcherfliegen Trichoptera 1. Allgemeiner Teil


Vorkommen

Wer zu der Zeit, als die Beyenburger Staumauer saniert wurde, bei abgesenktem Wasserstand unterhalb des Anglerheimes flussabwärts gewatet ist, wird sie bemerkt haben. Auf dem Flussgrund waren unzählige Köcherfliegenlarven zu sehen. Mit schätzungsweise 7000 Arten stellen die Köcherfliegen weltweit eine der größten Ordnung innerhalb der Wasserinsekten dar. In Mitteleuropa sind ca. 300 Arten bekannt. Die meisten Arten sind allerdings aufgrund kleiner Vorkommen für den Fliegenfischer nicht von Interesse. Da viele Arten nur schwer in Aussehen und Verhalten unterscheidbar sind, genügen wenige Bindemuster um eine ganze Familie zu imitieren.

Lebensraum

Köcherfliegen besiedeln im Süßwasser fast alle Bereiche. Bevorzugter Lebensraum in unseren Breitengraden sind eindeutig Fließgewässer. Einige Arten haben bemerkenswerterweise die Fähigkeit entwickelt, in zeitweise vollständig austrocknenden Gewässern zu überleben.

Flugzeiten

Die Hauptflugzeit der Köcherfliegen sind die Sommermonate Juni, Juli und August. Die ersten Exemplare können ab März beobachtet werden, einige Arten bis zum Beginn des Winters. Die meisten Köcherfliegenarten entwickeln lediglich eine Generation pro Jahr. Tageszeitlich treten Köcherfliegen in Massen hauptsächlich in den Abendstunden auf. Einige Arten sind ausschließlich Nachtaktiv. Ich habe eine Situation an dem eigentlich für seine Maifliegen berühmten Fluss Wiesent in der fränkischen Schweiz erlebt, wo in den Abendstunden Anfang Juni eine erfolgreiche Fischerei trotz vorhergehendem massenhaften Auftreten der Ephemera danica Maifiege nur mit Köcherfliegenmustern wie der Rehhaarsedge möglich war.

Lebenszyklus

Bei Köcherfliegen sind unterschiedliche Gelegetypen bekannt. Je nach Art werden die Eier als Kittlaich zu Unterwassergelegen oder einzeln oder als Gallertleich außerhalb des Wassers in den Wasserrandbereichen abgelegt. Abhängig von der Wassertemperatur beträgt die Entwicklungszeit der Eier in unserer Region 2-3 Wochen.

Die frisch geschlüpften Larven beginnen unverzüglich mit dem Bau des Köchers. Bei den Arten, die ihre Gelege außerhalb des Wasser ablegen, verbleiben die Larven so lange in der sie schützenden Gallertmasse bis sie vom steigendem Wasserspiegel oder von Regen eingespült werden. Die Junglarven atmen bis zur Ausbildung der Kiemen durch die Körperoberfläche.

Die meisten heimischen Arten durchleben während der Gesamtentwicklungszeit von etwa 6 bis 12 Monaten 5 Larvenstadien mit 4 Häutungen. Der Kopf der Larven ist stark verhärtet (sklerotisiert), der Toraxbereich hingegen weniger. Hier befinden sich 3 Beinpaare. Der Hinterleib (Abdomen) ist weich und mit büschelartigen Kiemen, den sogenannten Tracheen besetzt. Den hinteren Abschluss des Abdomens bilden ein Paar ungegliederter Beine, mit denen sich die Larve im Gehäuse fest klammert bzw. die köcherlosen Arten sich fortbewegen.

Für die Fliegenfischerei ist die Einteilung der Larven nach Lebensform sinnvoll:

Die köcherlosen freilebenden Larven:

Ausschließlich die Larven der Familie Rhyacophilidae tragen keinen Köcher. Diese Larven bewegen sich frei im Gewässer und ernähren sich überwiegend räuberisch.

Die ortsfeste Gehäuse und / oder Netze bauenden Larven:

Einige Arten bauen filigrane Netze, mit denen Nahrung aus dem Wasser gefiltert wird.

Neben ausschließlich Netze bauenden Arten gibt es auch solche, die zusätzlich ortsfeste Gehäuse bauen.

Köcher tragende Larven:

Die häufigsten Arten bauen nicht stationäre in etwa körperlange Köcher. Das diese Arten die Mehrheit bilden lässt sich schon einfach daraus ableiten, dass der Köcher Namensgeber für die gesamte Insektenordnung ist. Die Köcher werden aus Spinnfäden mit den im Gewässer zur Verfügung stehenden Materialien modelliert. Verwendet wird so ziemlich alles von Blättern über kleine Äste bis zu kleinen Steinen, Sand oder sogar Schneckengehäuse. Bei Gefahr zieht sich die Larve in ihr Gehäuse zurück.

Puppenstadium

Als letztes Stadium vor dem Schlupf verpuppen sich alle Köcherfliegenarten. Die köchertragenden Arten tun dies in ihrem Köcher und verschließen die Köcherenden mit einer wasserdurchlässigen Membrane. Die köcherlosen Larven bauen einen wasserdurchlässigen Puppenköcher aus seidenartigem Kokon. Das Verharren in der Verpuppung dauert in der Regel 2 bis 4 Wochen. Durch ständige Bewegung während des gesamten Stadiums wird ein Wasserstrom durch den Puppenköcher erzeugt.

Schlupf

Bei vielen Gesprächen unter Fliegenfischern fällt immer wieder der Begriff Schlupf. Oft ist damit allerdings nur die letzte Phase, in der die Puppe bereits auf der Wasseroberfläche liegend die Puppenhaut abstreift und zum adulten voll flugfähigen Insekt wird, gemeint. Bei genauer Betrachtung lässt sich der Schlupf in 3 Phasen beschreiben:

  • Die schlupfreife Puppe beißt mit eigens entwickelten Beißwerkzeugen den Puppenköcher auf und verlässt diesen. Dabei bleibt die Puppenhülle noch erhalten.
  • Die Puppe steigt zur Wasseroberfläche auf.
  • Zuletzt streift die Puppe die sie vor Wasserbenetzung schützende Puppenhaut ab und wird zum adulten flugfähigen Insekt.

Die in Fließgewässern vorkommenden Arten benötigen nach dem Erreichen der Wasseroberfläche etwa 5 Sekunden, um sich von der Puppenhaut vollständig zu befreien. Unmittelbar danach erfolgt der Flug zum Uferbereich wo eine etwa 24 stündige Ruhephase einsetzt.

Die Schlupfzeit ist in der Regel gebunden an den Wechsel der Lichtverhältnisse Tag Nacht oder Nacht Tag, so dass diese Arten entweder bei Eintritt der Nacht oder in der Morgendämmerung schlüpfen. Bei den Arten, die tagsüber schlüpfen, wird der Schlupf durch ein Ansteigen der Wassertemperatur ausgelöst.

Schwarmflug

Nach der Ruhephase beginnt der Schwarmflug der Köcherfliegen. Abhängig von der Art können unterschiedliche Verhaltensmuster beobachtet werden. Einigen Arten fliegen schnell flussaufwärts während bei anderen Arten der Eindruck entsteht, dass sie auf der Stelle verharren. Oft entsteht bei einigen Arten fälschlicherweise der Eindruck, dass sie während des Schwarmfluges Eier ablegen, da immer wieder die Wasseroberfläche kurzzeitig berührt wird. Da von diesen Arten bekannt ist, dass die Eiablage im Uferbereich oder unter Wasser erfolgt, wird angenommen, dass die Berührungen erfolgen, um Flüssigkeit aufzunehmen, die vermutlich zur tatsächlichen Eiablage benötigt wird.

Eiablage

Zur Kopulation bereite Köcherfliegen befinden sich in den Uferbereichen. Bei Köcherfliegen mit sehr großen Schwärmen männlicher Tiere kann beobachtet werden, dass Weibchen, die in den Schwarm eindringen von einem Männchen erfasst werden. Die weiblichen Tiere verhalten sich passiv und werden von den Männchen in die Uferbereiche geflogen wo die Kopulation stattfindet. Die Eiablage erfolgt meist in der Nacht mit einigen Stunden Verzögerung. Bei vielen Köcherfliegen erfolgt die Kopulation mehrfach mit dazwischen liegender Eiablage. Die Eiablage vieler Arten erfolgt unter Wasser oder in den Uferbereichen wo die Eier entweder durch steigende Wasserstände oder Regen in das Gewässersystem gespült werden. Selbst auf Blättern oder Ästen über dem Gewässer können Eiablagen beobachtet werden. Andere Arten werfen fertige Eiballen im Flug ab.

Für den Fliegenfischer hat die Eiablage der Köcherfliegen nicht die Bedeutung wie der Schlupf, da viele Weibchen nach der Ablage in die Uferbereiche zurückkehren. Massenhaftes Absterben und Abdriften, wie etwa bei Maifliegen, gibt es in der Regel nicht.

Bestimmungmerkmale der Köcherfliegen

  • 2 Paar behaarte Flügel, die in Ruhestellung dachförmig über dem Abdomen angeordnet sind.
  • Die hinteren Flügel sind kürzer und breiter als die Vorderflügel
  • Kopf mit großen Augen
  • Zwei nach vorne ragende Fühler und zwei kürzere Taster
  • Im Unterschied zu Eintags- und Steinfliegen keine Schwanzfäden
  • Bei den Männchen sind die Fühler deutlich länger als bei den Weibchen
  • Männliche Tiere sind etwas kleiner als die weiblichen Tiere

Die Goldkopf-Pupa Bindeanleitung

Die hier vorgestellte Fliege imitiert eine Köcherfliegenpuppe in ihrem letzten Stadium vor dem Schlupf. Diese Fliege kann mit folgender Anbietetaktik gefischt werden: Die Fliege gegen die andere Wupperseite werfen und flussabwärts driften lassen. Gegen Ende der Drift die Schnur vorsichtig stoppen und die Rutenspitze gefühlvoll leicht anheben. In der letzten Phase entsteht der Eindruck, als wenn eine Köcherfliegenpuppe zur Wasseroberfläche aufsteigt. Oft wird die Fliege genau in diesem Moment genommen.

Übrigens: Ein Klick auf das jeweilige Bild der Bindeanleitung vergrößert die Ansicht.

Die verwendeten Materialien:

  • Shrimphaken der Größen 10-14 (hier ein Kamasn B100 der Größe 14)
  • Bindefaden 8.0 in braun (Uni Thread)
  • goldene Tungstenperle mit einem Durchchmesser zwischen 3 und 4 mm
  • längerfasriges naturfarbenes Dubbing nach Belieben (hier Eichhörnchen)
  • eine große oder zwei kleine naturfarbene CDC Federn
  • eine Rebhuhnfeder

Jörg Haußner

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