Köcherfliegen Trichoptera 2. Allgemeiner Teil


Für Fliegenfischer bilden die Imitationen der Hydropsychiden eine wichtige Gruppe der Kunstfliegen. Abendsprünge an warmen Sommertagen werden fast immer von diesen Köcherfliegen hervorgerufen. Drei Gattungen dieser Familie bilden die in unseren Gewässern anzutreffenden Köcherfliegen. Die Hydropsyche mit ca. 50 Arten, die Diplectrona mit ca. 7 Arten und die Cheumatopsyche mit einer Art. Allen gemein ist, dass Sie typische Fließwasserbewohner sind. Auf allen 3 Brustsegmenten befinden sich die typischen Rückenschilder sowie 3 paar kräftig ausgeprägte Klammerbeine. Auf der Unterseite befinden sich weißliche Büschelkiemen, der Hinterleib ist mit feinen relativ dunklen Borsten übersät.

Die Larven bauen unter Wasser eine Röhre mit einer kleinen sie umgebenden Mauer aus Substraten. Vor die Röhre im Innenhof spinnen sie ein etwa centgroßes Netz, mit dem sie Kleinstlebewesen und Pflanzenteile als Nahrung aus dem Wasser filtern. Ausgewachsen können die Larven eine Größe von bis zu 20mm erreichen.


Die ausgewachsenen Larven beginnen nach etwa 10 Monaten Entwicklungszeit mit der Verpuppung. Der Schlupf der Hydropsychiden findet immer an der Wasseroberfläche statt. Der Schlupf wird ausgelöst durch den Wechsel der Tageslichtverhältnisse in den Morgen- oder Abendstunden. Die Flugzeiten der Köcherfliegen ist in der Regel sehr lang und beginnt sobald die Wassertemperatur etwa 14 Grad erreicht hat. Der massenhafte Schlupf löst rege Aktivitäten der Fische aus.


Typisch für das Aussehen der Hydropsychiden ist der keilförmige Vorderflügel, der immer mit einer Linie schräg abschließt. Das fertig ausgebildete Insekt besitzt immer zwei nach vorne gerichtete Fühler, wobei die Länge der Fühler ein eindeutiges Merkmal ist, um weibliche und männliche Tiere zu unterscheiden. Die Fühler der weiblichen Tiere sind etwa gleichlang wie ihre Vorderflüge. Die Fühler der männlichen Tiere hingegen sind etwa 1,5 mal länger als die Vorderflügel.


Die weiblichen Köcherfliegen legen ihre Eier in der Regel in den späten Abendstunden unter Wasser an den strömungsabgewandten Seiten von Steinen ab. Die Ablage erfolgt an Stellen, die bei eventuellem Niedrigwasser nicht trocken fallen. Nach der Eiablage versuchen die Tiere an die Wasseroberfläche zu gelangen und das Ufer zu erreichen. Da nur wenige Köcherfliegen dazu noch Kraftreserven aufbringen können, treiben sie sterbend ab.


Die exakte Bestimmung der Hydropsychiden ist äußerst kompliziert und offensichtlich selbst als Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchungen nicht unumstritten. Immer wieder ist es in der Vergangenheit vorgekommen, dass Bestimmung revidiert werden mussten.


Welche Fliege - Darf es etwas halbtrockenes sein?


Hier nun eine  (Halb)trockenfliege, die mir im Sommer viele schöne Salmoniden an der Wupper beschert hat. Die Fliege ist eine Abwandlung der klassischen Rehhaar Sedge und soll nicht das vollständig ausgebildete und flugfähige Insekt imitieren, sondern vielmehr das letzte Puppenstadium bzw. das Verlassen des Puppenköchers an der Wasseroberfläche und somit die Übergangsphase.


Nach meinen Erfahrungen ist das Fischen mit dieser Fliege sehr effektiv. Ich kann eigentlich nur mutmaßen doch ich bin der festen Überzeugung, dass dies genau der Moment ist, wo es für unsere Salmoniden am energieeffizientesten ist Köcherfliegen als Nahrung zu erbeuten.


Die Hakengröße sollte nicht zu klein gewählt werden, da die Puppe im Original eine Größe von ca. 20mm aufweist. Der Körper sollte im hinteren Teil mit einigen Fasern aus weißem Polypropylen und einem hellgelben Ballen als Silhouette des Puppenkokons gebunden werden. Die Fliege möglichst nicht zu struppig binden. Puppen haben ja eher eine madenartiges Aussehen.

 

Folgende Anbietetaktiken haben sich als effektiv erwiesen:

Es scheint von nicht unerheblicher Bedeutung zu sein, sich nach Erreichen der zum Fischen ausgesuchten Stelle an der Wupper zunächst ruhig zu verhalten Im Rahmen dieser kleine Pause konnte ich im übrigen schon so manchen Eisvogel beobachten. Schön, dass dieser kleine bunte Vogel an der Wupper wieder anzutreffen ist.


Die Fliege leicht diagonal gegen die gegenüberliegende Wupperseite, möglichst flussaufwärts beispielsweise zielgenau in die Furchen des flutenden Hahnenfuß oder eben an die vermuteten Standplätze, werfen. Die Schnur menden und während der Drift einstrippen. Hin und wieder etwas schneller strippen lässt die Fliege über das Wasser schlittern und wirkt durchaus reizvoll auf Forellen. Oft kommen die Bisse, nachdem etwas schneller gestrippt wurde. Um die Scheuchwirkung so gering wie möglich zu halten, empfiehlt sich das Fischen mit leichtem Gerät wobei der Aspekt der Waidgerechtigkeit hier natürlich auch eine Rolle spielt. Eine meiner Lieblingsschnüre ist mittlerweile die 4er WF Delcate Presentation von Snowbee. Eine schöne Schnur, die, wie der Name schon sagt, eine sehr saubere Präsentation mit allen gängigen Wurfstielen zulässt und mindestens genau so viel zu bieten hat wie Schnüre, die sehr viel teurer sind. Gefischt wird diese Schnur von mir mit einer Eigenbaurute basierend auf einem 3er Dan-Craft-Blank in 8,6'' Länge. Vorsichtig gefischt, ist die Scheuchwirkung mit dieser Kombination sehr gering.

 

Die Fliege

 

Die verwendeten Materialien:

  • Maruto d04 Trockenfliegenhaken in den Größen 12 oder 14. Der für mich zurzeit beste Trockenfliegenhaken auf dem Markt. Der Haken ist widerhakenlos, feindrähtig, sehr scharf, überaus stabil und hat ein gutes Preis- Leistungsverhältnis, das ihn deutlich von vergleichbaren Produkten abhebt.
  • Bindegarn 8.0 in braun und einen Strohalm.
  • Fasern aus weiß- oder cremefarbenden Polypropylen, die die abfallende Puppenhülle imitieren - ggf. auch Angelhair oder ähnliches möglich.
  • Feines Dubbing in einem Gelbton für den Ansatz der Puppenhülle und in naturbraun für den Körper.

  • CDC-Fibern -je nach Größe ca. 2 naturfarbene CDC-Federn.
  • Feines naturfarbendes Rehhaar oder besser Coastel Deer Hair (Sitkahirsch)
    erhältlich von der Firma flies and more .

 

Jörg Haußner

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