Im Jahr 1889 gründete sich der Fischereiverein "Bergisch Land" in Barmen und wurde Mitglied im "Deutschen Anglerbund e.V.". Es erfolgte die Eintragung in das Vereinsregister. Der Verein änderte später seinen Namen in "Bergischer Angelsportverein Wuppertal e.V." und hat heute die Bezeichnung "Bergischer Fischerei-Verein 1889 e.V. Wuppertal", im folgenden nur "BFV" genannt. Die Urväter des BFV verfügten noch nicht über ein eigenes Gewässer, sondern übten die Angelfischerei an verschiedenen Gewässern in der Umgebung aus. Ende der 20er Jahre hatte der Verein 50 Mitglieder. 1933 schloss sich der BFV dem "Reichsverband Deutscher Sportfischer" an und pachtete mangels anderer Gelegenheit den Aprather Mühlenteich in der Nähe von Düsseldorf für 12 Jahre.
 

Bei Beginn des 2. Weltkrieges waren 90 Mitglieder zu verzeichnen und der Aprather Mühlenteich wurde von den Vereinsmitgliedern weniger aus Passion, sondern eigentlich mehr zur Nahrungsmittelbeschaffung befischt. Man war für jeden Fang dankbar und nahm auch den weiten Anmarschweg - zu Fuß oder mit dem Fahrrad - gerne in Kauf. An Samstagen war eine Sonderstraßenbahn, die eigentlich nur Bahnpersonal beförderte, für die damaligen BFV-Mitglieder ein geschätztes Beförderungsmittel zum Mühlenteich Aprath.

Im Zuge der allgemeinen Gleichschaltung gliederten die Nationalsozialisten den "Reichsverband Deutscher Sportfischer" dem sogenannten Reichsnährstand an, da Fischhege und Fischfang als ein Wirtschaftsfaktor im Rahmen des > Aufbaus Deutschland < angesehen wurde. Das Tragen des Verbandswimpels und des Vereinsabzeichens war beim Fischen und bei Veranstaltungen Pflicht. Nach dem 2. Weltkrieg existierte der BFV praktisch nicht mehr. Ein Großteil der Mitglieder war gefallen oder in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Nach 1948 ging es aber wieder bergauf. 1950 wurden der Morsbach und einige Hammerteiche als Vereinsgewässer angepachtet. Der Vereinsbeitrag betrug damals 10, - DM. Im Jahre 1954 - ein denkwürdiges Datum in der Vereinsgeschichte - konnte der Stausee Wuppertal-Beyenburg angepachtet werden. In dieser Zeit des Wiederaufbaus war es um den Gewässerschutz ziemlich schlecht bestellt. Die Bemühungen des BFV um Verbesserungen und sicher auch die Einsicht beteiligter Firmen brachten nach und nach diesbezügliche Erfolge. 1959 hatte der BFV 134 Mitglieder, er nahm rund 10 000,- DM Beiträge ein und setzte für 5.500,- DM Fischbesatz in die vereinseigenen Gewässer.

1960/61 gelang die Anpachtung der Wupper oberhalb des Stausees Beyenburg bis Radevormwald-Dahlhausen. 1961 konnte ein Teil des alten Bergischen Bauernhofes in der Oehde-Schlenke, Gemeinde Radevormwald, gemietet werden. Der 1. Schritt zu unserem heutigen Vereinsheim war getan! Mit viel Idealismus und wenig Geld wurden die gemieteten Räumlichkeiten umgebaut. Der ehemalige Kuhstall diente z. B. als Gesellschaftsraum. 1963 waren bereits 250 Mitglieder zu verzeichnen. Erweiterungen wurden notwendig, angepachtet wurde die Wupper ab Stausee wupperabwärts bis Wehr Karhof. Dieser Gewässerteil musste aber 1979 an eine Fischereigenossenschaft abgegeben werden. 1970/71 wurden weitere Pachtverträge geschlossen: Die Wupper ab dem ehemaligen Stauwehr Vogelsmühle bis Entensteine, weiter ein Teil des ÜIfebaches und der Eistringhauser Bach.

1976 kauften der BFV und der Wupperverband gemeinsam den vorerwähnten Wupperabschnitt. Damit war der BFV erstmals Eigentümer einer nicht beschränkten selbständigen Fischerei-Gerechtsame - sprich: des Fischereirechtes! Der Bauernhof Oehde Schlenke 1, inzwischen schon Anglerheim genannt, konnte 1978 vom BFV erworben werden, so dass ab diesem Zeitpunkt mit der Restaurierung der altersbedingt sehr angegriffenen Bausubstanz begonnen werden konnte. 1980 wurde ein Wassergraben unterhalb des Vereinsheimes vom RWE gepachtet, der seitdem als Fischaufzuchtgraben genutzt werden konnte. Ab 2001 erfolgte dann der Rückbau des Wehres Öhde Schlenke, so dass der Aufzuchtgraben zu einem Biotop umgenutzt wurde. Das umgebende Grundstück des Vereinsheimers konnte 1984 ebenfalls angepachtet werden, so dass hier Platz für Casting-Turniere und andere Aktivitäten zur Verfügung stand.

Die Aktion "Saubere Wupper", eine alljährliche Gewässerreinigung der Jugendgruppe des BFV unter Beteiligung der Stadt und Einsatz von Tauchern etc. wurde ebenfalls 1984 ins Leben gerufen. Meist wurden an einem Vormittag rund 2t Müll gesammelt. Für dieses Engagement wurde der Jugendgruppe des BFV 1985 ein Umweltschutzpreis verliehen.

Im gleichen Jahr setzte sich der BFV zusammen mit anderen Organisationen erfolgreich gegen die Ansiedlung eines Chemiewerkes in Radevormwald-Dahlhausen zur Wehr. Fast 300 Einsprüche von BFV Mitgliedern wurden der Genehmigungsbehörde vorgelegt. In dieser Zeit intensivierte sich die Zusammenarbeit mit Umweltschutzorganisationen. BUND, NABU, RBN und andere halfen mit, gegen die Ansiedlung des Chemiewerkes vorzugehen und so der Wupper eine riesige Salzfracht zu ersparen.

Der Stausee Wuppertal-Beyenburg musste 1985 wegen unumgänglicher Reparaturen an einem der Turbinenstollen abgelassen werden. Eine nicht abschätzbare Menge Fische, aber auch Schlamm geriet so in die Wupper unterhalb des Stausees. 1987 wurde die Wuppertalsperre in Betrieb genommen, so dass der Wupperbereich ab den "Entensteinen" bis nach Krebsöge für den Verein leider endgültig wegfiel. Positiv ist zu vermerken, dass sich seitdem die Wasserqualität deutlich verbessert hat.

1989 feierte der Verein untere großer Beteiligung der Öffentlichkeit sein hundertjähriges Bestehen mit rund 500 Mitgliedern. Darunter waren erfreulicherweise 50 Jugendliche. Der BFV hat heute immer noch ca. 325 Mitglieder. Der Verein hat nicht an Attraktivität verloren, aber die Anzahl der aktiven Angler ist nun einmal in erster Linie von der Größe der verfügbaren Gewässer abhängig. Der BFV ist damit immer noch einer der mitgliederstärksten Fischereivereine im Bergischen. In den vergangenen 10 Jahren sind zahlreiche Aktivitäten in Angriff genommen worden:

Vorträge in Schulklassen, Jugendgruppenfahrten, Beteiligung an Stadtranderholungs-Maßnahmen durch Überlassung des Vereinsheimes, Ausbildung von Gewässerwarten, verstärkter Einsatz von Fischereiaufsehern, Aufzucht von Besatzfischen im vereinseigenen Bruthaus,
Kontaktaufnahme zu in- und ausländischen Fischereivereinen, Information der Vereinsmitglieder durch ein eigenes Vereinsmitteilungsblatt, Gestaltung einer eigenen homepage, gezieltes Vorgehen gegen Gewässereinleitungen verschiedenster Art, Ausbau des Vereinsheimes, Gewässeruntersuchungen etc.

Durch die Teilnahme am Wanderfischprogramm wird seit 1993 versucht, Lachse und Meerforellen in der Wupper wieder heimisch werden zu lassen. Zu diesem Zweck ist in Beyenburg ein Bruthaus errichtet worden. Der Lachs und auch die Meerforelle waren noch im vorletzten Jahrhundert  in der Wupper häufig vorzufindende Fischart. Durch die Industrialisierung sind diese Arten aber völlig verschwunden gewesen. Unter dem Einsatz von erheblichen Eigenmitteln und Zuschüssen werden nun Jahr für Jahr einige hunderttausend Lachs- und Meerforelleneier erbrütet und die Jungfische anschließend in der Wupper und ihren Nebenbächen ausgesetzt.

Das Vereinsheim wurde restauriert, wir sind stolz auf unsere anglerfreundlichen Salmonidengewässer in landschaftlich reizvoller Lage.

Wir freuen uns, dass soviel erreicht worden ist und danken den engagierten Mitgliedern und den bisherigen Vorständen für ihren Einsatz. Wir bedanken uns auch für die Unterstützung durch Institutionen und Einzelpersonen.

Dirk Klumpen